REANIMAL – ein wunderschöner Alptraum, mit kleinen Schwächen

Vorab ein dickes Danke an die Supporter, die mir ermöglichten solche Titel zu reviewen. Wer mich weiterhin supporten will, findet hier den passenden Link.

Als ich damals REANIMAL zum ersten Mal sah, war ich sofort angetan. Im Stile gehalten wie die geistigen Vorgänger Little Nightmares 1+2. Dichte Atmosphäre, groteske Antagonisten, eine düstere Welt und darin zwei Figuren, die einfach nur versuchen, aus dem ganzen Alptraum zu entkommen. Ich kann eines schon sagen, Tarsier Games hat hier ein kleines Meisterwerk abgeliefert, aber mit kleinen Schwächen.

Eine Welt, die man eigentlich nicht besuchen will (aber muss)

Die Story von REANIMAL ist recht simpel, geht einem aber trotzdem direkt unter die Haut. Wir begleiten ein Geschwisterpaar auf eine Insel, die man nur als „völlig im Eimer“ beschreiben kann. Das Ziel: ihre Freunde retten. Aber was Tarsier hier an Themen auffährt, ist schon echt harter Tobak.

Es geht um Traumata, Verlust, Krieg, Suizid verpackt in eine Symbolik aus Tier-Mensch-Hybriden, bei der ich öfter mal schlucken musste. Die Geschichte wird nicht durch endlose Dialoge erzählt, sondern durch die Welt selbst. Man riecht den Moder und das Salz der Insel förmlich durch den Bildschirm. Das ist kein „Wohlfühl-Grusel“, das ist psychologischer Terror vom Feinsten.

Kleine aufheiternde Momente, gibt es dennoch.
Ist die Grafik nicht schön?

Wunderschön, aber bitte nicht zu genau hinschauen

Audiovisuell ist das Spiel eine Wucht, aber man braucht einen starken Magen. Tarsier Games hat hier eine Welt geschaffen, die optisch absolut brillant ist, aber gleichzeitig so richtig schön morbide. Die Lichtstimmungen sind der Wahnsinn – wenn das Licht durch den Nebel bricht oder rostige Fabrikhallen in ein krankes Gelb taucht, merkt man erst, wie viel Liebe (oder Wahnsinn) hier drinsteckt.

Morbide und groteske Orte gibt es in REANIMAL zuhauf.

Aber Achtung: Es wird teils echt eklig. Wer bei organischem Matsch und verzerrten Kreaturen empfindlich ist, dem stehen anstrengende Spielstunden bevor. Für mich ist es das bisher schönste Spiel des Studios, einfach weil die Atmosphäre so dicht ist, dass man sie mit dem Messer schneiden könnte. Und ich gebe eine kleine Warnung für Spinnenphobiker raus.

Vollgas ohne Verschnaufpause

Was mich besonders abgeholt hat: In REANIMAL gibt es keine Passagen die sich wie Füllmaterial anfühlen. Das Spiel führt einen von einem coolen Set-Piece zum nächsten. Mal schleichst du panisch durch Trümmer, mal löst du ein kleines Rätsel, und dann bricht plötzlich das Chaos aus. Dabei wechseln sich Passagen von Laufen, Rennen, kleineren Shooterpassagen ab und sogar mit dem Boot geht es durch echt schöne Panoramen.

Die KI der Begleiter ist dabei gelungen und funktioniert durchweg gut. Ich hatte nie das Gefühl, dass mein Partner im Weg steht – im Gegenteil, das Zusammenspiel funktioniert super flüssig, egal ob man alleine mit der KI oder im Koop zockt. Man ist ständig unter Strom, und genau so muss sich ein Horror-Adventure anfühlen. Es macht einfach wahnsinnig viel Spaß, selbst wenn man dabei ständig leicht angespannt ist.

Also die Panoramen beeindruckend jedes Mal.

Wenn der Puls vor Frust steigt

Aber es gibt auch Dinge wo ich ein wenig meckern muss. Wie schon bei den geistigen Vorgängern haben sich wieder diese nervigen Trial & Error-Passagen eingeschlichen. Besonders die Renn-Weg-Sequenzen haben mich manchmal echt genervt. Du rennst um dein Leben, und plötzlich – zack – tot, weil man in der Hektik einfach nicht erkennen konnte, ob man jetzt links springen oder rechts rutschen soll, oder welchen Weg es nun eigentlich entlang geht.

Man stirbt hier oft nicht, weil man zu langsam ist, sondern weil das Spiel einem nicht klar genug zeigt, was es eigentlich will. Das reißt einen leider kurz aus dieser fantastischen Welt raus und sorgt für unnötigen Frust. Manche Passagen habe ich dadurch mehr als 5-6mal absolvieren müssen.

Die Kamera hat zwar einen filmischen Stil – folgt einem dynamisch, ist aber in manchen Situation mit der Enge des Levels etwas überfordert. Gab Stellen da war sie schlicht zu weit weg und einmal zu weit dran. Obendrein ist das Bild auch manchmal etwas verwaschen und auch gern mal zu dunkel. Also ihr kommt besser, wenn ihr die Helligkeit etwas höher einstellt.

Kurz, knackig und teuer? – Das Fazit

Reden wir Tacheles: REANIMAL dauert etwa 5 bis 6 Stunden und kostet 40 Euro. Ich finde da es so kompaket und ohne Streckmaterial auskommt, lohnt es sich. Aber auch ich bin der Meinung, das 30eur besser gepasst hätten. Für mich ist es das bisher beste Spiel von Tarsier Games seit den ersten beiden Little Nightmares-Teilen. Es ist ein konzentrierter Albtraum ohne Füllmaterial. Wer auf dichte Atmosphäre steht und mit den spielerischen Ecken und Kanten leben kann, bekommt hier ein Erlebnis, das noch lange nachwirkt.

Meine Wertung: 8/10

Pros und Cons

Das fand ich stark:

  • Morbide Meisterklasse: Grafisch und atmosphärisch zieht es dir die Schuhe aus.
  • Pacing vom Feinsten: Keine unnötigen Längen, jede Minute ist kuratiert und spannend.
  • KI, die mitdenkt: Selten so einen entspannten Begleiter im Horror-Genre gehabt.
  • Themen mit Tiefgang: Die Story ist mutig und geht echt an die Nieren.

Das hat genervt:

  • Trial & Error: Manche Tode fühlen sich einfach unnötig an, da der Spieler zu wenig geführt wird
  • Orientierungslosigkeit: In den Stress-Momenten weiß man manchmal nicht, wohin.
  • Der Preis: 40 € für einen langen Abend ist eine Ansage, die man schlucken muss.

PC: https://store.steampowered.com/app/2129530/REANIMAL/
PS5: https://www.playstation.com/de-de/games/reanimal/
XboxSeriesX: https://www.xbox.com/de-DE/games/store/reanimal/9n67dhnp2m0t

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