Crimson Desert – Ich bin an dieser Review beinahe gescheitert, aber hatte Spaß dabei

Diese Review entstand mit dem Support der Community. Dafür vielen vielen Dank! Besten Dank geht an: Grumpyman78, SirHome, MilchUndVideospiele, Anynomer Gönner, Kalenko, tommess-san und Nyaromight. Das Spiel wurde auf der Base PS5 gespielt, ein Gameplay-Video gibt es dazu hier.


Kennt ihr das? Ihr hört in ein neues Album einer Band rein, habt dieses Album schon lange erwartet und dann zündet es nicht sofort. Es braucht einige Durchgänge, bis euer Kopf die Songs kennt und weiß, was wann kommt. Erst dann entfaltet sich das Album und es macht Klick!

Ja, genau so erging es mir mit Crimson Desert. Es braucht schlicht seine Zeit, um sich dir zu öffnen und dir zu zeigen: Hey, so funktioniere ich! Das kann ich dir bieten. Viele Spieler waren anfangs enttäuscht, wollten bald abbrechen. Es wurde als seelenlos bezeichnet. Dass die Steuerung zu kompliziert sei, die Story fad. Ich sage euch aber: Nach dem Klick ist das alles Schall und Rauch.

Der Anfang sperrig – aber bitte habe Geduld

Du kommst in einem Waldgebiet an, ein Begräbnis findet statt und danach werdet ihr zu allem Überfluss noch angegriffen. Doch Kliff, unser leicht emotionsloser Stein, ist ja – aus einem bisher unbekannten Grund – der Auserwählte und kommt nach einem „Ereignis“ dennoch in Hernand an. Ich schreibe das bewusst so allgemein. Ihr wisst schon, Spoiler und so.

Schwuppdiwupp haben wir Spezialkräfte, eine Zelda-Kralle und können fliegen. Das wird dann auch gleich sehr eindrucksvoll bewiesen, indem man sich vom Abyss (der Welt in den Wolken) in die Open World hinunterstürzt und man erst mal merkt, wie riesig diese Welt eigentlich ist. Absurd, sag ich euch!

Du kommst dann – wie gesagt in Hernand, dem Startgebiet, an, musst paar Quests erledigen, die erst mal völlig zusammenhanglos wirken. Aber wenn man genau aufpasst, sind die nicht zusammenhanglos. Hört im Abyss (der Welt in den Wolken) genau zu.

Es ergibt nämlich alles Sinn, wenn auch nicht so „in your face“ wie in anderen Spielen dieser Gattung. Das Spiel hat Story, wenn auch nicht so heftig inszeniert. Die Steuerung ist zudem komplex, aber nicht unspielbar. Aber wie man es dreht und wendet, die Open World bleibt der Star. Jetzt, nach 35h, bin ich voll drin und kann nicht genug bekommen.

Was macht den das Spiel so sperrig? Sagen wir es so: Es fühlt sich an wie die ersten RPGs, die so entwickelt worden sind. Es verlangt von dir, dass du zuhörst, mitdenkst und dem Spiel Zeit gibst, sich dir zu erklären – oder sagen wir doch eher „zu öffnen“?

Die Steuerung empfindet man anfangs als „unnötig kompliziert“. Aber einige Ansätze sind auch recht cool. Eine Stelle anvisieren und dann springt Kliff da zielgenau hin? In manchen Passagen liebe ich dieses Merkmal. Jetzt, nach einigen Stunden Spielzeit, fühlt sich die Steuerung aber recht „natürlich“ an. Als sollte sie so sein. Ich weiß weird, ist aber so.

Kliff – der introvertierte overpowerte Ritter

Kommen wir zu Kliff: Bevor das Spiel erschien, stellte ich auf X die Frage: „Kann Crimson Desert The Witcher 3 den Rang ablaufen?“ Ich entschuldige mich hochoffiziell für diese Frage XD Klare Antwort: Nein! Kliff, die Hauptfigur des Spiels, besitzt nicht annähernd so viel Strahlkraft, Humor und Persönlichkeit wie Geralt. Im Gegenteil, Kliff ist ein emotionaler Klotz, bleibt recht blass, sagt nicht viel und nimmt verdammt viel einfach hin, obwohl die Welt um ihn herum den größten Shit abfährt.

Wie erkläre ich mir das aber jetzt? Für mich ist Kliff halt recht introvertiert. Hat tonnenweise Scheiß erlebt und ist dadurch emotional ganz schön abgestumpft. Das Problem an meiner Selbsterklärung ist aber: Auch Geralt ist wortkarg, hat viel Scheiß erlebt und hat dennoch verdammt viel Charakter. Vielleicht liegt es auch daran, dass Geralt halt eine große und schlüssige Hintergrundgeschichte mitbringt.

Ich stimme aber einigen zu, Kliff ist recht komisch geschrieben und teils auch nicht so nachvollziehbar..

Der Elefant im Raum: Die fucking riesige Welt

Die Geschichte und die Welt von Crimson Desert erlebt ihr auf dem Kontinent Pywel. Dieser ist groß. Sehr groß. FUCKING groß! Allein der Moment, wenn du das erste Mal die Karte öffnest, denkst: ach, ist ja groß. Zoomt heraus XD Die Größe der Karte wird euch kurz schlucken lassen.

Das Coole hierbei: Alles ist handgebaut, und verdammt, das merkt man! Es gibt wunderschöne, beinahe filmreife Aussichten. Eine Weitsicht, die es wohl bisher in keinem Spiel so zu sehen gab. Und allgemein sieht die Welt einfach großartig aus.

Ihr werdet es oft erleben, dass ihr einfach nur stehen bleibt und kurz innehaltet oder euch erwischt, wie ihr langsam durch die Landschaft trabt und einfach die Gegend genießt. So herrlich!

Was kann man den in dieser Welt so machen?

*grenzdebil feix* Ähm … viel? Also wirklich viel! Neben den normalen Haupt- und Nebenquests kannst du fischen gehen, Bären reiten, Drachen fliegen, Mechs steuern, Höhlen auskundschaften, Dinge stehlen, Holz hacken, Erze abbauen, Erinnerungen ansehen, Boot fahren, dich an Bäumen entlangschwingen, Banditen verkloppen, Karten spielen, Armdrücken, boxen, Bogenschießen und und und und …

Ich denke, ich habe auch nach meiner ganzen Spielzeit – in der ich übrigens immer noch im Startgebiet hänge – bei Weitem noch nicht alle Spielmechaniken gesehen. Es ist einfach irre, was man in Pywel alles machen kann.

Sehr vielseitiges Gameplay

Ihr habt es ja schon gelesen. In dieser Welt kann man verdammt viel machen. Hinzu kommen noch knackige Bosse, die teils mehrere Phasen haben, Kämpfe, die so richtig wuchtig sind und verdammt viel Spaß machen. Die nötigen Fähigkeiten schaltet ihr dazu in Kliffs Talentbaum frei, dazu braucht ihr sogenannte Abyss-Artefakte. Die sind in der ganzen Welt verteilt und ihr erhaltet sie, wenn ihr Quests abschließt.

Später kommen noch 2 Figuren (Damiane und Oongka) hinzu, die beide einen eigenen Talentbaum besitzen. Damiane spielt sich dabei um einiges wendiger und flotter. Oongka hingegen ist wie ein Panzer. Also noch schwerfälliger, als Kliff es ohnehin schon ist.

Das Movement von Kliff erinnert stark an Arthur aus Red Dead Redemption 2. Langsam, bedächtig. Wenn ihr X mehrfach drückt, könnt ihr rennen. Rockstar lässt grüßen! Allgemein hat sich Crimson Desert an vielen Spielen bedient.

Story und Kampf erinnern an The Witcher 3, die Kralle, mit der Kliff Gegenstände verschiebt, anhebt und irgendwo einsetzt, ist klar von Zelda entnommen und ja, Grafik wie Movement erinnern stark an RDR2. Aber auch Skyrim findet sich wieder. Das alles in einem großen Spiel.

Die Grafik haut einen um!

Ihr seht es wahrscheinlich schon an den Screenshots. Die Weitsicht ist irre. Wo andere Spiele bei Zeiten das Level of Detail in der Ferne runterdrehen, um Performance zu sparen, denkt Crimson Desert nicht mal daran. Selbst sehr weit entfernte Objekte sind noch sehr detailliert sichtbar. Und es gibt sehr viele Aussichten im Spiel, wo dir die Kinnlade runterklappen wird.

Dazu bewegen sich Bäume im Wind, Gras weht, Tiere hüpfen herum. Man merkt förmlich: Diese Welt lebt. Was mich auch begeistert hat, sind die natürlich wirkenden Animationen der NPCs. Wie sie einem aus dem Weg gehen, auch mal hinfallen oder sich natürlich durch die Welt bewegen. Einfach fantastisch.

Was auch krass ist: das Wasser! Es ist nicht einfach nur eine Textur, die sich bewegt. Nein, Wasser wird wirklich simuliert, bildet an Steinen eine Gischt und fließt so schön den Fluss hinunter. Herrlich!

Die Story?

Also erst mal einmal vorweg: Crimson Desert hat, wie oben erwähnt, eine Story! Die ist zwar nicht so filmreif inszeniert und auch erst recht nicht mit einem Peak nach dem anderen erzählt. Aber man hat eine! Sie ist seicht, hält das Spiel zusammen und gibt der Welt oder dem Spiel in gewisser Weise einen Sinn.

Lobenswert sind hier eher die Nebenquests. Da sind teils skurrile, manchmal simple und manchmal echt coole Geschichten dabei. In jedem Gebiet auf der Karte gibt es da eine Handvoll.

Aber ganz ehrlich, für die Story allein spielt man Crimson Desert nicht. Ich sehe diese Welt eher als Mittelalter-Sandbox an, in der man eine Hauptstory spielen kann. Nicht mehr, nicht weniger!

Die Tonalität kommt mir auch bisher so vor, als würde man einen Clan einige Zeit begleiten bei dem, was sie so machen. Ob sich diese Story noch zuspitzt oder filmreife Momente hat, werde ich sehen. In Crimson Desert ist aber eher die Open World der eigentliche Star und da wird Erkunden so richtig belohnt.

Technisch mal so, mal so – aber okay.

Ich selber spiele auf einer Base-PS5 und finde die Grafik gut und mittlerweile sehr gut. Das Ding ist: Seit dem Release feuert Pearl Abyss aus allen Rohren und veröffentlicht hintereinanderweg Patches. Geht dabei die größten Kritikpunkte an und verfeinert das Spiel nach und nach. Seit dem letzten Patch ist nun der Leistungsmodus schärfer, es gibt einen dedizierten 4K-Modus. Die Steuerung in der Welt wurde verbessert. Wir haben endlich eine Lagerbox und manche Bosse wurden entschärft. Also, der Support ist bisher top!

An vielen Stellen habe ich gelesen, dass das Bild verwaschen sei oder die Performance einfach schlecht sei. Ja, anfangs war das so, aber mittlerweile hat sich dank zahlreicher Updates einiges verbessert. Ich bin eher verblüfft, dass diese Optik mit der krassen Weitsicht überhaupt auf der Base-PS5 läuft.

Möglich macht es die hauseigene BlackSpace-Engine. Diese wurde nach Black Desert (dem MMO vor Crimson Desert) ordentlich aufgebohrt und man merkt an jeder Stelle, wie gut sie optimiert wurde. Außer in Kämpfen und auch in der Anfangsstadt Hernand gehen manchmal die FPS in den Keller. Ansonsten läuft es flüssig, wenn auch mit leichten Abstrichen.

In den Einstellungen könnt ihr zwischen Leistung (1080p/60fps), Balance (40fps) und Qualität (4K/30fps) wählen. Dazu könnt ihr VSync und HDR hinzuschalten.

Was ich mir noch wünsche, ist ein Regler, um die UI-Texte noch größer einzustellen. Manche Texte sind so klein, die kann selbst ich als Brillenträger, der 2,5m vom Fernseher entfernt sitzt, kaum lesen. Und man hat doch einiges in Crimson Desert zu lesen.

Was habe ich den sonst so zu bemängeln?

Neben der erwähnten, manchmal unnötig komplizierten Steuerung ist es eher der Feinschliff. Es befinden sich nach wie vor einige Bugs im Spiel. Versteht mich nicht falsch, keine Game-Breaker. Aber mal nimmt Kliff das Dokument nicht, eine Figur, der ich per Pferd folgen soll, reitet nicht los, eine Quest wird nicht aktualisiert, ein Menü geht nicht auf.

Ich habe aber Hoffnung, dass all das bald behoben ist. Denn wie gesagt: Pearl Abyss haut wie bekloppt Updates raus und verbessert den Status quo.

Ein Fazit so schwer wie noch nie

Ganz ehrlich, ich habe lange überlegt, wie ich diese Review gestalte, bin beinahe daran gescheitert. Weil ich Spiele eigentlich durchspiele und dann erst schreibe. Crimson Desert ist aber aufgrund der schieren Größe nicht in der kurzen Zeit durchspielbar. Hier wäre die Review erst sehr spät gekommen und ein endgültiges Fazit habe ich immer noch nicht.

Fakt ist, ich spiele Crimson Desert verdammt gerne. Erlebe gern diese Welt Geschichten, spiele gern die Quests, erkunde sehr gern. Ja, es hat hier und da seine Problemchen, aber wie gesagt: Wenn man erst mal drin ist und dem Spiel die nötige Zeit gibt, macht es Klick und die Sucht kickt. Viele Schwachstellen fixt Pearl Abyss gerade in einem Affentempo.

Das Krasse ist, ich kann das Spiel bisher noch nicht wirklich fassen. Ich habe viel Zeit darin verbracht und gleichzeitig das Gefühl, nur einen winzigen Teil davon gesehen zu haben. Ich wollte das Spiel anfangs erst durchspielen, aber dann wäre diese Review wohl erst ein Jahr später herausgekommen. Denn man kann ohne Probleme 150-200h in Crimson Desert versenken.

Wenn ich aber hier und heute eine Wertung vergeben MÜSSTE, würde ich es bei 80-85 einordnen. Tendenz steigend.

Wie findet ihr dieses Open-World-Epos bisher? Schreibt es bei X in die Kommentare 😉

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