Disclaimer: Diese Review wurde nur durch den Support einiger User möglich. Besten Dank geht an @SilverDaemon_NC, @SirHome, @CeBraX, @Cyberfink_72, @Farodra, Didis Gaming Ground und Nichtskoennr. Zudem habe ich das Spiel auf der PS5 gespielt.
Mit Resident Evil Requiem liefert Capcom 2026 den neuesten Ableger seiner langjährigen Survival-Horror-Reihe ab. Der Titel hat sich nach dem Durchspielen zu einem der besten Serienteile gemausert. Daher lasst uns loslegen und fassen wir das Horror-Brett in Worte!

Spannende Story – zwei Hauptfiguren, zwei Perspektiven
Resident Evil Requiem wirft dich viele Jahre nach dem Untergang von Raccoon City wieder in einen Fall, der nach „das ist noch lange nicht vorbei“ riecht: FBI-Analystin Grace Ashcroft geht mysteriösen Todesfällen nach, die schneller persönlicher werden als ihr lieb ist – und parallel gerät auch Leon S. Kennedy in denselben Strudel.
Aus beiden Blickwinkeln baut das Spiel sein typisches Resident-Evil-Feeling auf: Ermittlungen, unangenehme Orte, eine bedrohliche Atmosphäre und dieses ständige Misstrauen, dass irgendwo im Hintergrund wieder jemand an Biowaffen und alten Geheimnissen herumspielt.

Die Entwickler haben dabei eine coole Variante des Pacings gewählt, wie man sie besser hätte nicht integrieren können. Dieses Hin und Her zwischen den beiden Protagonisten sorgt dafür, dass die Abwechslung über die gesamte Dauer von 14 Stunden Spielzeit aufrechterhalten bleibt.
Auch bei den Dialogen merkt man: Da waren Profis am Werk. Die Figuren sagen in der Situation, in der sie nun mal stecken, eben halt das, was man so von sich geben würde: verlieren sich auch mal in „Ähm“ und „Äh“ oder wissen schlicht nicht weiter. Das finde ich richtig angenehm. Während Leon Kennedy oft mit einem gewissen sarkastischen Unterton agiert, der in gefährlichen Situationen für den einen oder anderen Schmunzler und auch Lacher sorgt, übernimmt hingegen Grace den deutlich ernsthafteren und düsteren Part der Erzählung.



Die Zwischensequenzen sind technisch auf einem sehr hohen Niveau und unterstützen die Immersion durch eine cineastische Kameraführung. Der Übergang zwischen Erzählung und aktivem Spiel ist dabei nahtlos. Die Geschichte führt euch durch eine Vielzahl abwechslungsreicher und schauriger Schauplätze. Diese reichen von engen, klaustrophobischen Kellern bis hin zu weitläufigen Gebäudekomplexen.


Die Entscheidung, die Spielweise der beiden Figuren im Ansatz unterschiedlich zu gestalten, wertet die Spielerfahrung meiner Meinung nach deutlich auf. Während ich mit Leon die eher actionreichen Passagen erlebe, konzentriert sich Graces Pfad stärker auf die volle Grusel-Erfahrung. Quasi Horror pur!
Der bekannte Gameplay-Loop und das Inventarmanagement
Der Gameplay-Loop von Resident Evil Requiem basiert auf den bewährten Zutaten aus Erkundung, Rätseln, Shooter-Passagen und Ressourcenmanagement. Ein zentrales Element ist dabei das klassische „Setpiece-Prinzip“ (so nenne ich das mal): In der Regel erreiche ich einen neuen Ort, an dem ich einige spezifische Objekte finden muss, um in den nächsten Abschnitt zu gelangen und die Story weitergehen kann.

An diesem Ort – zum Beispiel: Sanatorium – muss ich dann einige Rätsel lösen, viele Zettel lesen, haufenweise Zombies umholzen, den einen oder anderen fetten Gegner erledigen, Gegenstände finden, um letztendlich Stück für Stück den Bereich zu lösen und schlussendlich zu verlassen.
Die Kampf- und Shooting-Passagen fühlen sich gut an, machen Fun und hauen vor allem mit Leon ordentlich rein, Trefferfeedback würde ich als sehr gut bezeichnen, wenn das Blut ordentlich spritzt und man die Innereien von so manchen Zombies sieht XD
Ein wesentlicher Aspekt des Schwierigkeitsgrades ist zusätzlich das limitierte Inventar. Die Begrenzung der Tragekapazität zwingt mich immer wieder dazu, strategische Entscheidungen zu treffen. Die Abwägung zwischen Munitionsvorräten, Heilmitteln und Quest-Gegenständen ist ein integraler Bestandteil der Spielerfahrung und erzeugt einen konstanten, aber kontrollierten Stressfaktor.
Die Rätsel sind zwar anspruchsvoll, aber nie harte Kopfnüsse. Sie machen Spaß und fügen sich organisch in den Spielfluss ein. Sie fungieren quasi als atmosphärische Pausen zwischen den intensiven Kampfsequenzen.
Third- oder First-Person?
Ein technisches und spielerisches Highlight ist die Flexibilität bei der Kameraperspektive. Ich kann jederzeit bei den beiden Hauptfiguren zwischen der First-Person- und der Third-Person-Ansicht umschalten. Diese Option hat signifikante Auswirkungen auf das subjektive Empfinden des Spiels: Während die Ego-Perspektive die Immersion und den unmittelbaren Horror verstärkt, bietet die Schulterperspektive eine bessere Übersicht über das Kampfgeschehen.
Dass beide Kameraansichten ohne Einbußen bei der Spielbarkeit integriert wurden, zeugt von einer sorgfältigen Designplanung seitens der Entwickler. Sorgt aber auch dafür, dass ein erneuter Durchgang mit einer anderen Perspektive erneut spannend bleibt.
Trotz der kompakten Spielzeit von etwa 14 Stunden wirkt das Gameplay durchgehend abwechslungsreich, da die Entwickler regelmäßig neue Mechaniken oder Variationen bekannter Aufgaben einführen. Es handelt sich um ein klassisches Resident-Evil-Erlebnis. Wer Resi liebt, wird auch Requiem lieben.
Die RE Engine und ihre Wucht
In technischer Hinsicht gibt die RE Engine wieder richtig Vollgas. Die Detailtiefe der Charaktermodelle ist durchweg sehr gut – von den Hauttexturen über die Haare bis hin zur Materialbeschaffenheit der Kleidung ist alles sehr detailliert ausgearbeitet. Die Umgebungen profitieren von einem fortschrittlichen Beleuchtungssystem, das durch Schattenwürfe und volumetrische Lichteffekte eine bedrückende Atmosphäre schafft.

Die grafische Realitätstreue trägt obendrein maßgeblich zum hohen Gruselfaktor bei. Allerdings muss ich kritisch anmerken, dass manche Areale, insbesondere die geschlossenen Gebäudekomplexe, stellenweise – vorsichtig gesagt – etwas steril wirken. Man merkt hier deutlich, dass die Areale klar abgesteckt sind (beispielsweise in der ersten Szene im Stadtverkehr). Aber das ist Meckern aus hohem Niveau. Die Bildrate ist durchweg bei 60, was besonders in den schnellen Action-Passagen für eine saubere Darstellung sorgt. PS5 Pro Spieler werden da ein optisches Meisterwerk in 4K/60fps erleben.
Der Sound ist ebenfalls in jeglicher Hinsicht sehr gut. Von subtilen Umgebungsgeräuschen bis hin zu wuchtigen Soundeffekten während der Schusswechsel ist alles präzise aufeinander abgestimmt. Die räumliche Ortung durch 3D-Audio ist exzellent umgesetzt und erlaubt es, Feinde allein anhand ihrer Geräusche zu lokalisieren. Die Musikuntermalung hält sich meist im Hintergrund, akzentuiert aber wichtige Schlüsselmomente der Handlung sehr effektiv.
Die Liebe zum Detail zeigt sich auch in kleineren technischen Feinheiten, wie der Interaktion der Charaktere mit der Umgebung. Physikalische Effekte wie Spritzwasser oder Fußabdrücke bei Regen sind super implementiert und tragen zur Glaubwürdigkeit der Spielwelt bei. Die Ladezeiten sind auf der PS5 minimal, was den Spielfluss zusätzlich begünstigt. Zusammenfassend liefert Capcom hier ein technisch ausgereiftes Produkt ab, das die Möglichkeiten aktueller Hardware effizient nutzt, um eine dichte und visuell beeindruckende Horror-Erfahrung zu kreieren.
Fazit: Was ein Horror-Brett!
Resident Evil Requiem präsentiert sich als ein rundum gelungenes Gesamtpaket. Das Spiel vereint die besten Elemente der vergangenen Jahrzehnte und transferiert sie in ein modernes Gewand. Die Spielzeit von 14 Stunden ist zwar im Vergleich zu den anderen Serienteilen eher kompakt, wird jedoch durch ein hohes Maß an Qualität und Abwechslung kompensiert.
Die technische Umsetzung ist, bis auf vereinzelte sterile Areale, durchweg sehr gut. Für mich persönlich stellt dieser Teil einen neuen Höhepunkt der Serie dar und hat definitiv das Potenzial, als „Game of the Year“ ausgezeichnet zu werden.
Die Kombination aus einer starken Geschichte, einem motivierenden Gameplay-Loop und einer herausragenden audiovisuellen Präsentation rechtfertigt meine Höchstwertung. Es ist ein Titel, der die Nerven beansprucht, aber gleichzeitig durch seine handwerkliche Perfektion überzeugt. Capcom hat bewiesen, dass sie das Genre des Survival-Horrors weiterhin anführen.
Pro und Contra im Überblick
Pro:
- Exzellente grafische Darstellung durch die RE Engine mit hoher Detaildichte
- Stringente und spannend geschriebene Story ohne wesentliche Längen
- Ausgewogener Gameplay-Loop aus Erkundung, Kämpfen und Rätseln
- Flexible Wahl zwischen First-Person- und Third-Person-Perspektive
- Taktisch forderndes Ressourcen- und Inventarmanagement
- Hohe atmosphärische Dichte und erstklassiges Sounddesign
- Qualitativ astreine Zwischensequenzen und Dialoge
Contra:
- Mit etwa 14 Stunden Spielzeit vergleichsweise kurz
- Einzelne Areale wirken aufgrund ihrer Abgeschlossenheit etwas steril
- Spezifische Trigger für Personen mit Agoraphobie vorhanden
Wertung: 9/10